Kurz gesagt
KI verändert im Executive Search vor allem die Recherche in der Breite: Märkte kartieren, passende Profile finden und zusammenfassen, Gespräche strukturieren, Abläufe koordinieren. Was über eine Besetzung entscheidet, bleibt bei Menschen: das Urteil über Führungsqualität, das Gewinnen von Menschen, die gar nicht suchen, Referenzen, Vertraulichkeit und die Entscheidung selbst. KI-Systeme für die Personalauswahl gelten nach dem EU AI Act als hochriskant; die Pflichten dafür greifen nach der Digital-Omnibus-Verordnung ab dem 2. Dezember 2027.
Das Wichtigste
- KI übernimmt im Executive Search die Breite: Marktkarten, Sourcing, Zusammenfassungen, Gesprächsnotizen und Terminabstimmung werden schneller und vollständiger.
- Menschen entscheiden, wo es um Urteil und Vertrauen geht: Führungsqualität einschätzen, Kandidatinnen und Kandidaten gewinnen, Referenzen führen, Vertraulichkeit wahren, auswählen.
- Struktur verbessert die Vorhersage, und dafür braucht es keine KI: In einer Meta-Analyse sagte die regelgebundene Verrechnung derselben Informationen die Arbeitsleistung besser voraus als ein Gesamturteil, auch als das von Fachleuten.
- KI kann Verzerrungen verstärken, und Menschen übernehmen sie: In einem Experiment bevorzugten Teilnehmende die von einer verzerrten KI favorisierte Gruppe in bis zu 90 % der Fälle.
- Die KI-Verordnung stuft KI-Systeme für Einstellung und Auswahl als hochriskant ein; die Pflichten gelten ab dem 2. Dezember 2027, das Verbot der Emotionserkennung am Arbeitsplatz gilt schon seit Februar 2025.
- KI ersetzt nicht den Headhunter, aber Recherchestunden: Die Arbeit verschiebt sich von der Namensliste zu Urteil und Gespräch.
KI im Executive Search: was sich ändert und was nicht
KI im Executive Search verändert zuerst die Arbeit, die niemand sieht: Recherche, Sortieren, Zusammenfassen, Nachhalten. Was eine Suche wertvoll macht, bleibt eine Folge von Urteilen: Welche Kriterien zählen wirklich? Wer passt, obwohl der Lebenslauf anders aussieht? Und warum sollte jemand, der gar nicht sucht, ausgerechnet mit Ihnen sprechen? Dieser Artikel trennt beides und ordnet den EU AI Act ein.
Definition
KI im Executive Search Der Einsatz von Software mit maschinellem Lernen und Sprachmodellen bei der Suche nach Führungskräften: um Märkte zu kartieren, Profile zu finden und zu strukturieren, Gespräche zusammenzufassen und Abläufe zu koordinieren. Gemeint ist die Unterstützung der Suche, nicht eine Software, die Kandidatinnen und Kandidaten auswählt.
Der Unterschied zu KI im Recruiting allgemein liegt im Maßstab. Im Volumen-Recruiting sortieren Werkzeuge oft viele Bewerbungen auf eine Stelle. Im Executive Search gibt es meist keine Bewerbungen: Die passenden Menschen sind in festen Positionen, werden direkt angesprochen und erwarten Diskretion. Der Nutzen von KI liegt hier weniger im Filtern als im Finden und Strukturieren.
Was KI im Executive Search gut kann
Recruiting mit KI lohnt sich dort, wo Arbeit breit, wiederholbar und gut überprüfbar ist. Die Tabelle zeigt typische Aufgaben und die menschliche Prüfung.
| Aufgabe | Was KI beiträgt | Was ein Mensch prüft |
|---|---|---|
| Markt kartieren | Zielunternehmen, Funktionen und Karrierewege in der Breite erfassen | Ob die Karte den relevanten Markt abbildet, nicht nur den sichtbaren |
| Sourcing | Öffentliche Profile finden, Dubletten erkennen, Treffer nach Kriterien vorsortieren | Rechtsgrundlage und die Information der Betroffenen nach Art. 14 DSGVO |
| Profile zusammenfassen | Werdegänge in eine einheitliche, vergleichbare Form bringen | Jede Angabe, die in eine Bewertung eingeht, an der Quelle |
| Gespräche dokumentieren | Notizen strukturieren, Aussagen den Kriterien zuordnen | Ob die Zusammenfassung trifft, was gesagt wurde, und was zwischen den Zeilen lag |
| Abläufe koordinieren | Termine, Status, Erinnerungen | Wann ein Anruf besser ist als eine Nachricht |
KI senkt den Aufwand für Breite und schafft Zeit für das, was sich nicht automatisieren lässt. Wie eine vollständige Marktkarte aufgebaut ist, beschreibt Talent Mapping im Executive Search. Zwei Grenzen gelten für jede Zeile. Sprachmodelle können Angaben falsch zusammenfassen oder erfinden; was in eine Bewertung eingeht, prüfen Sie an der Quelle. Und wer Daten über eine Person nicht bei ihr selbst erhebt, muss sie innerhalb eines Monats informieren, bei früherer Kontaktaufnahme oder Weitergabe schon dann, soweit keine Ausnahme nach Abs. 5 greift (Art. 14 Abs. 3 DSGVO).
Wo Menschen entscheiden: Urteil, Überzeugung, Vertraulichkeit
Fünf Aufgaben bleiben bei Menschen, nicht aus Prinzip, sondern weil die nötigen Informationen erst im Gespräch entstehen oder weil jemand die Verantwortung tragen muss.
- Führungsqualität beurteilen. Ob jemand ein Team durch einen Umbau führt oder Widerspruch zulässt, steht in keinem Profil. Es zeigt sich in strukturierten Interviews mit Beispielen aus der echten Arbeit (für Profile, die auf dem Papier gleich aussehen, siehe Ex-McKinsey, BCG oder Bain einstellen).
- Gewinnen und überzeugen. Wer nicht sucht, wechselt nicht wegen einer gut formulierten Nachricht, sondern weil ihm jemand glaubhaft erklärt, warum diese Rolle, dieses Unternehmen und dieser Zeitpunkt passen.
- Referenzen führen. Frühere Vorgesetzte, Kolleginnen und Mitarbeitende sprechen offen mit einem Menschen, dem sie vertrauen, nicht mit einem Formular.
- Vertraulichkeit wahren. Viele Suchen sind vertraulich, etwa wenn eine Position noch besetzt ist. Mandatsdetails gehören nicht in KI-Dienste, deren Datenverarbeitung nicht vertraglich geregelt ist.
- Entscheiden. Die Auswahl trifft das Unternehmen, auf Grundlage einer begründeten Empfehlung. Verantwortung lässt sich nicht an ein Modell delegieren.
Was dabei hilft, ist Struktur. In einer Neubewertung der Forschung zur Personalauswahl lagen strukturierte Interviews an der Spitze der Auswahlverfahren (Sackett et al., 2022). Eine Meta-Analyse zeigte zudem: Wurden dieselben Informationen nach festen Regeln verrechnet statt zu einem Gesamturteil verdichtet, verbesserte das die Vorhersage der Arbeitsleistung um mehr als 50 %. Das galt auch gegenüber Fachleuten, die Stelle und Organisation kannten (Kuncel et al., 2013). Feste Regeln brauchen keine KI; eine gewichtete Kriterienliste genügt.
Bias und Transparenz: wie KI in der Personalauswahl verzerren kann
KI in der Personalauswahl übernimmt Muster aus ihren Trainingsdaten. Eine Audit-Studie testete Text-Embedding-Modelle, mit denen sich Lebensläufe vorsortieren lassen, an über 500 öffentlich verfügbaren Lebensläufen für neun Berufe. Die Modelle bevorzugten in 85,1 % der Fälle Namen, die mit weißen Personen assoziiert werden, und nur in 11,1 % der Fälle weiblich assoziierte Namen (Wilson und Caliskan, 2024). Die Studie arbeitet mit US-amerikanischen Namen und Berufen.
Ein Mensch, der das Ergebnis prüft, ist allein keine Lösung. In einem Experiment mit 528 Personen wählten die Teilnehmenden ohne KI oder mit einer neutralen KI Kandidatinnen und Kandidaten aller Gruppen gleich häufig. Bevorzugte die simulierte KI eine Gruppe, taten es die Teilnehmenden in bis zu 90 % der Fälle auch. Unter bestimmten Umständen galt das selbst dann, wenn sie die Empfehlungen für minderwertig oder unwichtig hielten (Wilson et al., 2025).
Menschen urteilen auch ohne KI verzerrt, wie typische Beurteilungsfehler zeigen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet Benachteiligungen etwa wegen Geschlecht, ethnischer Herkunft oder Alter, auch bei Auswahlkriterien, und schützt ausdrücklich Bewerberinnen und Bewerber (§§ 1, 2, 6, 7 AGG). Das gilt, gleich ob ein Mensch oder eine Software sortiert. Daraus leiten wir fünf Leitplanken ab (Praxisempfehlung, kein Forschungsergebnis):
- Kriterien vor der Suche festlegen. Rollenspezifisch, gewichtet und schriftlich, bevor das erste Profil bewertet wird.
- KI sortiert nicht endgültig aus. Vorschläge erweitern die Liste; wer herausfällt, fällt durch eine begründete menschliche Bewertung heraus.
- Stichproben prüfen. Regelmäßig vergleichen, wen die Werkzeuge vorschlagen und wen nicht.
- Begründungen dokumentieren. Jede Entscheidung über die Shortlist lässt sich an den Kriterien erklären.
- Offen sagen, was Software tut. Auftraggeber, Kandidatinnen und Kandidaten erfahren, wofür Werkzeuge eingesetzt werden und wofür nicht.
EU AI Act: Recruiting-KI ist hochriskant, die Pflichten gelten ab Dezember 2027
Die KI-Verordnung (EU) 2024/1689 stuft in Anhang III Nr. 4 lit. a als hochriskant ein: „KI-Systeme, die bestimmungsgemäß für die Einstellung oder Auswahl natürlicher Personen verwendet werden sollen, insbesondere um gezielte Stellenanzeigen zu schalten, Bewerbungen zu sichten oder zu filtern und Bewerber zu bewerten“. Ausgenommen sein können Systeme ohne erhebliches Risiko, etwa wenn sie nur eine eng gefasste Verfahrensaufgabe oder eine vorbereitende Aufgabe erfüllen. Ein System, das ein Profiling natürlicher Personen vornimmt, gilt immer als hochriskant (Art. 6 Abs. 3).
Die Pflichten für Hochrisiko-Systeme nach Anhang III sollten ursprünglich ab dem 2. August 2026 gelten. Die Digital-Omnibus-Verordnung zur KI, Verordnung (EU) 2026/1744, wurde am 24. Juli 2026 im Amtsblatt veröffentlicht und trat am 27. Juli 2026 in Kraft. Sie verschiebt den Geltungsbeginn für Systeme nach Anhang III auf den 2. Dezember 2027. An der Einstufung als hochriskant ändert sie nichts.
| Regel | Inhalt | Gilt |
|---|---|---|
| Art. 22 DSGVO | Recht, keiner ausschließlich automatisierten Entscheidung mit rechtlicher oder ähnlich erheblicher Wirkung unterworfen zu werden | seit 25. Mai 2018 |
| Art. 5 Abs. 1 lit. f KI-VO | Verbot, mit KI Emotionen am Arbeitsplatz abzuleiten (außer aus medizinischen oder Sicherheitsgründen); nach den Leitlinien der Kommission auch im Bewerbungsverfahren | seit 2. Februar 2025 |
| Art. 4 KI-VO | Maßnahmen, die die KI-Kompetenz des Personals fördern; durch die Omnibus-Verordnung neu gefasst | seit 2. Februar 2025 |
| Art. 26 KI-VO | Pflichten der Betreiber von Hochrisiko-Systemen, etwa menschliche Aufsicht, Protokolle und Information | ab 2. Dezember 2027 |
| § 95 Abs. 1 und 2a BetrVG | Auswahlrichtlinien brauchen die Zustimmung des Betriebsrats, auch wenn bei ihrer Aufstellung KI zum Einsatz kommt | geltendes Recht |
Betreiber ist, wer ein KI-System in eigener Verantwortung verwendet; nach unserer Lesart der Arbeitgeber oder eine Suchfirma, die es für ein Mandat einsetzt. Betreiber müssen das System nach der Gebrauchsanweisung verwenden und die menschliche Aufsicht Personen mit Kompetenz, Ausbildung und Befugnis übertragen. Sie überwachen den Betrieb, bewahren Protokolle mindestens sechs Monate auf und informieren die Personen, über die das System Entscheidungen trifft oder vorbereitet (Art. 26). Für leitende Angestellte, um die es im Executive Search oft geht, sieht das Betriebsverfassungsgesetz bei der Einstellung nur eine rechtzeitige Mitteilung an den Betriebsrat vor (§ 105 BetrVG).
Ersetzt KI den Headhunter?
Teilweise: KI ersetzt Recherchestunden, nicht das Mandat. Eine Suche, deren Wert vor allem in einer Namensliste lag, wird durch KI günstiger und leichter vergleichbar. Die Arbeit verschiebt sich zu dem, was die Liste nicht leistet: Kriterien schärfen, Führungsqualität beurteilen, Menschen gewinnen, die nicht suchen, und eine Empfehlung begründen. Wie Honorare heute aufgebaut sind und was sie treibt, erklärt Was kostet ein Headhunter?
Auch viele Menschen misstrauen dem Urteil einer Maschine bei Einstellungen. In einer Umfrage des Pew Research Center im Dezember 2022 unter 11.004 Erwachsenen in den USA sagten 66 %, sie wollten sich nicht bei einem Arbeitgeber bewerben, der KI zur Unterstützung von Einstellungsentscheidungen nutzt. 71 % lehnten KI für die endgültige Einstellungsentscheidung ab, 7 % befürworteten sie (Pew Research Center, 2023). Belastbare Zahlen für Führungskräfte in Deutschland kennen wir nicht. Wer eine sichere Position aufgeben soll, will mit einem Menschen sprechen, der das Unternehmen kennt und für seine Darstellung einsteht.
Wie wir bei LEADBeyond Recruit Werkzeuge einsetzen – und wo wir entscheiden
Klassische Suche beginnt mit einer Namensliste, unsere mit einer Karte des gesamten Marktes. Eigene Werkzeuge übernehmen Breite und Struktur; das Urteil liegt bei uns, die Entscheidung bei Ihnen. Frederic C. Rupprecht und Jonathan M. Günak, die aus McKinsey & Company und Roland Berger kommen, führen jedes Mandat persönlich (Team). Wie wir KI in unserer Strategieberatung einsetzen, beschreibt KI-gestützte Strategieberatung.
- Kartieren. Wir erfassen den relevanten Markt vollständig: Zielunternehmen, Funktionen, Karrierewege. Sichtbar wird nicht, wer gerade sucht, sondern wer passt (Talent Intelligence).
- Bewerten. Jedes Profil bewerten wir entlang der mit Ihnen abgestimmten Kriterien, gewichtet je Mandat. Der Fit-Score rechnet live mit, und die Shortlist entsteht aus einem gemeinsamen Maßstab, nicht aus dem Bauch (Profil-Dashboard). Der Fit-Score verrechnet Bewertungen, er ersetzt sie nicht.
- Führungsqualität prüfen. In strukturierten Interviews und Referenzgesprächen, entlang rollenspezifischer Kriterien und derselben Führungsdimensionen, mit denen wir in Empower arbeiten.
- Gewinnen. Persönliche, datengestützte Ansprache über mehrere Kanäle. Ein Dashboard zeigt Ihnen und uns in Echtzeit, wo die Suche steht.
Häufige Fragen
Was bedeutet KI im Executive Search?
Der Einsatz von Software mit maschinellem Lernen und Sprachmodellen bei der Suche nach Führungskräften: Märkte kartieren, Profile finden und zusammenfassen, Gespräche dokumentieren, Abläufe koordinieren. Die Beurteilung von Führungsqualität, die Ansprache, die Referenzen und die Auswahl bleiben bei Menschen.
Ersetzt KI den Headhunter?
Nicht das Mandat, aber einen Teil der Arbeit. Recherche und Vorsortierung werden schneller und günstiger. Führungsqualität beurteilen, Menschen gewinnen, die nicht suchen, vertrauliche Referenzen führen und eine Empfehlung verantworten, bleibt menschliche Arbeit. Hinzu kommt, dass viele es ablehnen, wenn KI die endgültige Einstellungsentscheidung trifft: In einer US-Umfrage waren es 71 % (Pew Research Center, 2023).
Wie wird KI im Recruiting eingesetzt?
Im Volumen-Recruiting vor allem, um Stellenanzeigen auszuspielen, Bewerbungen zu sichten und zu filtern und Termine zu koordinieren. Im Executive Search, wo es kaum Bewerbungen gibt, eher zum Kartieren von Märkten, für das Sourcing und zum Strukturieren von Profilen und Gesprächsnotizen. Systeme, die Bewerbungen filtern oder Bewerber bewerten, nennt die KI-Verordnung ausdrücklich als hochriskant.
Ist KI in der Personalauswahl erlaubt?
Ja, mit Auflagen. Verboten ist bereits, mit KI Emotionen am Arbeitsplatz abzuleiten, nach den Leitlinien der Kommission auch bei Bewerberinnen und Bewerbern (Art. 5 Abs. 1 lit. f KI-VO). Ausschließlich automatisierte Entscheidungen mit erheblicher Wirkung begrenzt Art. 22 DSGVO, und das AGG verbietet Benachteiligungen bei der Auswahl, etwa wegen Geschlecht, ethnischer Herkunft oder Alter. Für Hochrisiko-Systeme kommen ab dem 2. Dezember 2027 die Betreiberpflichten der KI-Verordnung hinzu. Keine Rechtsberatung.
Ab wann gilt der EU AI Act für KI im Recruiting?
Die Pflichten für Hochrisiko-Systeme nach Anhang III, zu denen Recruiting-KI gehört, gelten ab dem 2. Dezember 2027. Ursprünglich war der 2. August 2026 vorgesehen; die Digital-Omnibus-Verordnung (EU) 2026/1744 hat den Termin verschoben. Das Verbot der Emotionserkennung am Arbeitsplatz gilt schon seit dem 2. Februar 2025. Keine Rechtsberatung.
Diskriminiert KI bei der Personalauswahl?
Sie kann es. In einer Audit-Studie bevorzugten Text-Embedding-Modelle beim Sortieren von Lebensläufen meist Namen, die mit weißen Personen assoziiert werden, und nur selten weiblich assoziierte Namen (Wilson und Caliskan, 2024). Menschen übernehmen solche Verzerrungen, wie ein Experiment zeigt (Wilson et al., 2025). Es helfen vorab festgelegte Kriterien, eine menschliche Begründung für jedes Aussortieren und regelmäßige Stichproben.
Darf eine KI über eine Einstellung entscheiden?
Nur in engen Grenzen. Nach Art. 22 DSGVO haben Bewerberinnen und Bewerber das Recht, keiner „ausschließlich auf einer automatisierten Verarbeitung“ beruhenden Entscheidung mit rechtlicher oder ähnlich erheblicher Wirkung unterworfen zu werden; die Ausnahmen sind eng gefasst. Unsere Empfehlung: Software sortiert und schlägt vor, eine benannte Person entscheidet und begründet. Keine Rechtsberatung.
Wird Executive Search mit KI günstiger?
Die Recherche wird es, denn Breite kostet mit KI weniger Zeit. Nach unserer Einschätzung liegt der größere Teil des Werts einer Suche aber in Urteil, Ansprache und Vertraulichkeit, und dort spart KI wenig. Welche Honorarmodelle es gibt und was die Kosten treibt, erklärt Was kostet ein Headhunter?
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1689 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 2024 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz (Verordnung über künstliche Intelligenz). ABl. L, 2024/1689, 12.7.2024., Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union (EUR-Lex) (2024). Amtlicher Text auf EUR-Lex gelesen (17.10.2026). Zitiert für Anhang III Nr. 4 lit. a (wörtlich), Art. 6 Abs. 2 und 3 (Ausnahmen, Profiling), Art. 26 (Betreiberpflichten), Art. 5 Abs. 1 lit. f (Emotionserkennung am Arbeitsplatz) und Art. 113 (ursprünglicher Geltungsbeginn). Keine Aussage darüber, ob ein bestimmtes Werkzeug darunter fällt.
- Verordnung (EU) 2026/1744 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juli 2026 zur Änderung der Verordnungen (EU) 2024/1689, (EU) 2018/1139 und (EU) 2023/1230 im Hinblick auf die Vereinfachung der Umsetzung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz (Digital-Omnibus-Verordnung zur KI). ABl. L, 2026/1744, 24.7.2026., Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union (EUR-Lex) (2026). Amtsblattfassung auf EUR-Lex gelesen (17.10.2026). Zitiert für den neu gefassten Art. 113 Abs. 3 lit. c KI-VO (Kapitel III Abschnitte 1 bis 3 gelten für Systeme nach Anhang III ab dem 2. Dezember 2027), die Neufassung von Art. 4 und das Inkrafttreten am dritten Tag nach der Veröffentlichung, also am 27. Juli 2026. Anhang III Nr. 4 und Art. 26 ändert sie nicht.
- Europäische Kommission (2025). Commission Guidelines on prohibited artificial intelligence practices established by Regulation (EU) 2024/1689 (AI Act), C(2025) 5052 final, 29.7.2025., Europäische Kommission (2025). Englische Fassung (PDF) gelesen. Zitiert für Randnummer 254: Der Begriff „Arbeitsplatz“ in Art. 5 Abs. 1 lit. f umfasst auch Bewerberinnen und Bewerber im Auswahlverfahren. Die Leitlinien sind nach eigener Aussage (Rn. 5) nicht verbindlich; verbindlich auslegen kann nur der Gerichtshof der EU.
- Wilson, K., & Caliskan, A. (2024). Gender, race, and intersectional bias in resume screening via language model retrieval. Proceedings of the AAAI/ACM Conference on AI, Ethics, and Society, 7(1), 1578–1590., AAAI Press (2024). Peer-reviewter Konferenzbeitrag: Audit-Studie mit Text-Embedding-Modellen, über 500 Lebensläufen und neun Berufen. Abstract (arXiv) und Metadaten (AAAI) geprüft. Zitiert für 85,1 % (weiß assoziierte Namen bevorzugt) und 11,1 % (weiblich assoziierte Namen bevorzugt). US-Namen und -Berufe; keine Aussage zu bestimmten Produkten oder zum Executive Search.
- Wilson, K., Sim, M., Gueorguieva, A.-M., & Caliskan, A. (2025). No thoughts just AI: Biased LLM hiring recommendations alter human decision making and limit human autonomy. Proceedings of the AAAI/ACM Conference on AI, Ethics, and Society, 8(3), 2692–2704., AAAI Press (2025). Peer-reviewter Konferenzbeitrag: Experiment mit 528 Personen und simulierten, verzerrten KI-Empfehlungen. Abstract (arXiv) und Metadaten (AAAI) geprüft. Zitiert für die gleich häufige Auswahl ohne KI oder mit neutraler KI, die Übernahme der KI-Präferenz in bis zu 90 % der Fälle und die Anfälligkeit auch bei geringer Wertschätzung der Empfehlungen. Simulierte, keine realen Produkte.
- Kuncel, N. R., Klieger, D. M., Connelly, B. S., & Ones, D. S. (2013). Mechanical versus clinical data combination in selection and admissions decisions: A meta-analysis. Journal of Applied Psychology, 98(6), 1060–1072., American Psychological Association (2013). Peer-reviewte Meta-Analyse; Abstract über PubMed gelesen. Zitiert für die bessere Vorhersage der Arbeitsleistung durch regelgebundene Verrechnung (Verbesserung um mehr als 50 %) und den Validitätsverlust beim Gesamturteil, auch durch Fachleute. Keine Aussage zu KI und nicht speziell zu Führungspositionen.
- Sackett, P. R., Zhang, C., Berry, C. M., & Lievens, F. (2022). Revisiting meta-analytic estimates of validity in personnel selection: Addressing systematic overcorrection for restriction of range. Journal of Applied Psychology, 107(11), 2040–2068., American Psychological Association (2022). Peer-reviewte Neubewertung früherer Meta-Analysen; Abstract über PubMed gelesen. Zitiert nur dafür, dass strukturierte Interviews an der Spitze der Auswahlverfahren lagen. Keine Validitätskoeffizienten übernommen.
- Rainie, L., Anderson, M., McClain, C., Vogels, E. A., & Gelles-Watnick, R. (2023). AI in hiring and evaluating workers: What Americans think. Pew Research Center., Pew Research Center (2023). Repräsentative Umfrage unter 11.004 Erwachsenen in den USA, 12.–18. Dezember 2022; Bericht gelesen. Zitiert für 66 % (wollten sich nicht bewerben) sowie 71 % gegen und 7 % für KI bei der endgültigen Einstellungsentscheidung. Allgemeinbevölkerung in den USA, keine Führungskräfte und keine deutschen Daten.