Kurz gesagt
KI im Unternehmen einzuführen heißt, mit dem Engpass zu beginnen, nicht mit dem Werkzeug. Sammeln Sie Anwendungsfälle dort, wo Arbeit manuell, langsam oder wissensabhängig ist, und bewerten Sie sie nach Wirkung, Machbarkeit, Datenlage und Risiko. Den besten Fall testen Sie in einem kontrollierten MVP, der kleinsten nutzbaren Lösung, typischerweise in zwei bis vier Wochen. Daten, Rechte und Betrieb klären Sie vorher. Ausgebaut wird nur, wo der Nutzen belegt ist, und die Urteile bleiben bei Menschen.
Das Wichtigste
- Beginnen Sie beim Engpass, nicht beim Werkzeug: Gute KI-Anwendungsfälle liegen dort, wo Arbeit manuell, langsam oder wissensabhängig ist.
- Die drei KI-Effekte – Effizienz, Prozess, Geschäftsmodell – unterscheiden sich in Aufwand, Risiko und Entscheidungsbedarf der Leitung.
- Nach unserer Erfahrung scheitern KI-Projekte selten an der Technik allein, sondern an Daten, Rechten, Zielprozess und Betrieb.
- Ein kontrollierter MVP folgt einem einfachen Prinzip: Die KI macht die Vorarbeit, ein Mensch gibt frei, das Kernsystem bleibt führend.
- KI-Governance braucht klare Rollen, eine Einstufung jedes Anwendungsfalls (erlaubt, freigegeben, untersagt) und Maßnahmen zur KI-Kompetenz nach der KI-Verordnung der EU.
- Ausgebaut wird nur, wo der MVP den Nutzen belegt – keine Architektur auf Vorrat.
Drei KI-Effekte unterscheiden: Effizienz, Prozess, Geschäftsmodell
Wer KI im Unternehmen einführen will, sollte zuerst klären, welche Wirkung gemeint ist. „Wir müssen etwas mit KI machen“ endet oft bei einem Werkzeug, für das danach ein Problem gesucht wird. Besser ist die Frage, wo Arbeit heute manuell, langsam oder wissensabhängig ist. Jeder so gefundene Anwendungsfall lässt sich einem von drei Effekten zuordnen; sie unterscheiden sich in Aufwand, Risiko und Entscheidungsbedarf der Leitung.
Definition
KI-Anwendungsfall (KI-Use-Case) Eine abgegrenzte Aufgabe in einem Prozess, bei der KI einen benennbaren Teil der Arbeit übernimmt oder vorbereitet – mit Nutzen, Datenquelle, Verantwortlichen und klarer Grenze. „KI im Vertrieb“ ist noch kein Anwendungsfall, „Angebotsanfragen aus E-Mails auslesen und als prüfbaren Entwurf vorlegen“ schon.
- Effizienz. Einzelne Mitarbeitende arbeiten schneller, etwa beim Schreiben, Recherchieren und Zusammenfassen. Aufwand und Entscheidungsbedarf sind gering, das Risiko ebenfalls, solange klar ist, welche Daten in welches Werkzeug dürfen. In einer Feldstudie im Kundenservice lösten Beschäftigte mit einem KI-Assistenten im Durchschnitt 15 % mehr Anfragen pro Stunde (Brynjolfsson, Li und Raymond). Am meisten profitierten weniger Erfahrene; bei den Erfahrensten sank die Qualität leicht.
- Prozess. Ein Ablauf über mehrere Schritte ändert sich, etwa vom Eingang einer Anfrage bis zur Erfassung im Kernsystem. Das Risiko ist mittel, weil ein Fehler durch den ganzen Prozess läuft. Der Aufwand steckt in Daten, Schnittstellen und Freigabeweg.
- Geschäftsmodell. KI wird Teil dessen, was Kunden kaufen, etwa als neuer Service. Das Risiko ist hoch, weil Marke, geistiges Eigentum und Kundenbeziehung direkt betroffen sind. Darüber entscheidet die Leitung selbst.
Wo der Aufwand wirklich entsteht: vor dem Kernsystem
Nach unserer Erfahrung entstehen im Mittelstand die größten Effizienzverluste nicht im Kernsystem, sondern davor. Anfragen kommen per Mail, als PDF, Tabelle oder Freitext und werden abgetippt und weitergeleitet. Gerade dort zeigt sich, ob eine KI-Implementierung trägt. RAND hat 65 erfahrene Fachleute aus Data Science und Engineering zu gescheiterten KI-Projekten befragt (Ryseff, De Bruhl und Newberry). Der Bericht nennt unter anderem ein missverstandenes Problem, fehlende Daten, Technik vor Zweck und fehlende Infrastruktur. Entscheidend sind aus unserer Sicht vier Themen, nicht das Modell:
- Daten. Sind die Stammdaten verlässlich, und gibt es echte Beispieldokumente, an denen sich das Ergebnis prüfen lässt?
- Rechte. Welche Daten dürfen in welches System, und wer darf welche Ergebnisse sehen?
- Zielprozess. Soll die KI vorerfassen oder direkt ins Kernsystem schreiben, und wer prüft und gibt frei?
- Betrieb. Wer betreibt die Lösung nach dem Projekt, und welche laufenden Kosten sind akzeptabel?
Anwendungsfälle sammeln und bewerten: Steckbrief, Score, vier Quadranten
Gute KI-Anwendungsfälle findet man nicht in Werkzeuglisten, sondern mit wenigen Fragen an die Leitung: Wo wollen Sie schneller, besser oder kundennäher werden? Wo geht Wert verloren, und was muss geschützt bleiben? Jeder Kandidat bekommt einen Steckbrief mit Nutzen, Machbarkeit, Daten, Risiken und MVP-Zuschnitt. Ein einfacher Weg zum Score: Vergeben Sie je Kriterium 1 bis 5 Punkte und addieren Sie sie. Machbarkeit, Datenverfügbarkeit und Risiko zusammen ergeben die Umsetzbarkeit; mit der Wirkung bildet sie vier Quadranten.
| Kriterium | Leitfrage |
|---|---|
| Wirkung | Wie viel Zeit, Qualität oder Umsatz hängt am Vorgang, und wie oft kommt er vor? |
| Machbarkeit | Lässt sich der Fall mit vorhandener Technik in wenigen Wochen testen? |
| Datenverfügbarkeit | Gibt es die nötigen Daten in brauchbarer Qualität, und dürfen sie genutzt werden? |
| Risiko (hohes Risiko, wenige Punkte) | Was passiert, wenn die KI falsch liegt, und fängt ein Mensch den Fehler vorher ab? |
| Relevanz für die Leitung | Dient der Fall einem Ziel, das die Leitung selbst verfolgt? |
- Quick Wins (schnelle Erfolge: hohe Wirkung, leicht umsetzbar) gehen als Erste in einen Sprint.
- Strategische Vorhaben (Strategic Bets: hohe Wirkung, schwer umsetzbar) brauchen Vorarbeit an Daten oder Prozess und eine Entscheidung der Leitung.
- Effizienzhebel (Efficiency Plays: kleinere Wirkung, leicht umsetzbar) lassen sich oft mit Standardfunktionen vorhandener Software abdecken.
- Später prüfen (Later/Monitor: kleinere Wirkung, schwer umsetzbar): Diese Fälle bleiben auf der Liste, bis sich Technik, Daten oder Prioritäten ändern.
Klein anfangen: MVP-Sprint statt Großprojekt
Nach der Bewertung folgt kein Großprojekt, sondern ein kontrollierter MVP (Minimum Viable Product): die kleinste Lösung, die im Alltag nutzbar ist. Das Prinzip: Die KI macht die Vorarbeit, der Mensch entscheidet, das Kernsystem bleibt führend. Es gibt keinen Autopiloten, sondern eine prüfbare Übergabe; Lücken werden markiert, nicht überspielt. Für Eingänge per Mail hat ein typischer Zielprozess sechs Schritte:
- Bündeln. Eingänge laufen in einem definierten Kanal zusammen.
- Auslesen. Die KI überträgt Daten aus Mailtext und Anhängen in ein festes Schema.
- Abgleichen. Die Daten werden mit den Stammdaten verglichen.
- Prüfen. Pflichtfelder je Vorgangstyp zeigen, ob ein Vorgang vollständig ist; offene Punkte gehen als Aufgabe „in Klärung“ an die Fachabteilung.
- Vorlegen. Jeder Vorschlag trägt eine Ampel – „sicher“, „prüfen“ oder „Rückfrage“ –, und Rückfragen an Kunden entstehen nur als Entwurf.
- Freigeben. Ein Mensch gibt frei; erst dann wird im Kernsystem erfasst.
Die Ampel ist keine übertriebene Vorsicht: Falsche Sicherheit der KI wäre riskanter als eine Rückfrage zu viel. In einem Feldexperiment mit 758 Beschäftigten einer Unternehmensberatung arbeiteten Teilnehmende mit KI bei Aufgaben innerhalb der Fähigkeitsgrenze der KI schneller und besser. Bei einer Aufgabe jenseits dieser Grenze kamen sie seltener zur richtigen Lösung als ohne KI (Dell’Acqua et al.). Ein MVP-Sprint dauert typischerweise zwei bis vier Wochen. Am Ende stehen eine Abschlussdemo an echten oder anonymisierten Vorgängen und die Entscheidung über den nächsten Sprint.
Daten, Rechte und Lizenzen klären
Pragmatisch bleiben heißt nicht, alles zu erlauben: Sensible Kunden- und Unternehmensdaten gehören nicht in unkontrollierte KI-Werkzeuge. Datenschutz ist eine Architekturentscheidung, kein Grund, nicht anzufangen. Praktisch heißt das: Vor jeder KI-Anfrage werden die Daten nach Schutzbedarf eingestuft. Verarbeitet ein Anbieter personenbezogene Daten in Ihrem Auftrag, braucht es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO. Eingabe, Daten und Modell werden protokolliert, und vertraglich ist ausgeschlossen, dass mit Ihren Daten trainiert wird.
- Keine privaten oder kostenlosen Konten. Gearbeitet wird mit Unternehmenslizenzen, zentraler Anmeldung (Single Sign-on) und Protokollierung.
- Betriebsmodell nach Sensibilität. Je sensibler die Daten, desto abgeschotteter der Betrieb: von EU-Hosting in privater Umgebung über hybride Lösungen bis zur Installation im eigenen Haus.
- Rechte spiegeln. Ein definierter Nutzerkreis mit Rollenmodell sorgt dafür, dass die KI nicht mehr zeigt, als Mitarbeitende heute sehen dürfen.
- Lizenzen nach Bedarf. Nicht jeder braucht sofort eine KI-Lizenz: Für einen prozessbezogenen Anwendungsfall genügen oft wenige erfahrene Anwenderinnen und Anwender (Key User). Vorhandene Lizenzen prüfen Sie zuerst.
- Betriebsrat früh einbinden. Wo es einen gibt, ist er über geplante KI-Einsätze in Arbeitsabläufen rechtzeitig zu unterrichten (§ 90 BetrVG). Werkzeuge, die Eingaben oder Nutzung je Person protokollieren, können mitbestimmungspflichtig sein (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG).
Rollen und Leitplanken: Product Owner, Champions, erlaubt – freigegeben – untersagt
Wozu braucht ein Unternehmen eine KI-Governance? Damit klar ist, wer was mit welchen Daten tun darf, wer entscheidet und was geschieht, wenn die KI falsch liegt. Das AI Risk Management Framework der US-Bundesbehörde NIST mit den Funktionen Govern, Map, Measure und Manage eignet sich als Ordnungsrahmen, nicht als Checkliste (vgl. NIST). Die eigentliche Arbeit liegt darin, solche Rahmen auf die eigenen Anwendungsfälle zu übertragen: mit wenigen Rollen, einer Zulassungsregel und klaren Leitplanken.
- KI-Product-Owner. Eine Person verantwortet Programm, Roadmap und Plattform. Sie führt über Bereichsgrenzen hinweg; wo ihr die Weisungsbefugnis fehlt, ist laterale Führung Kernaufgabe.
- KI-Champions und Prozessverantwortliche. Je Bereich sammelt eine Ansprechperson Anwendungsfälle und teilt Erfolgsbeispiele; Prozessverantwortliche entscheiden über Änderungen am Zielprozess.
- Lenkungskreis. Leitung, Fachbereiche, IT und Recht entscheiden dort gemeinsam über Prioritäten und Leitplanken.
- Schulung je Rolle. Champions brauchen anderes Wissen als gelegentliche Nutzerinnen und Nutzer; geteilte Erfolgsbeispiele tragen die Lernkultur.
Jeder Anwendungsfall wird eingestuft: als erlaubt (ohne weitere Prüfung im Rahmen der Leitlinien), freigegeben (nach Prüfung für Zweck, Nutzerkreis und Daten) oder untersagt. Dazu kommen Leitplanken. Bei Preisen, Verträgen und Reklamationen prüft immer ein Mensch, und die KI handelt nicht ohne Freigabe. Für Fehlausgaben und Datenvorfälle gibt es einen Eskalationsweg. Mitarbeitende und Kunden wissen, wo KI beteiligt ist.
Ausbauen, wo der Nutzen belegt ist: fünf Automatisierungslevel
Erweitert wird nur, wo der MVP den Bedarf belegt – keine Architektur auf Vorrat. Die Level beschreiben die Reichweite im ganzen Unternehmen; ein einzelner MVP kann Level 3 schon früher im Kleinen erproben. Die Zeitangaben in der Tabelle sind typische Bandbreiten, keine Zusagen. Ob Level 5 überhaupt Ihr Ziel ist, entscheidet die Strategie, nicht die Technik – mehr dazu im Beitrag zur Strategieentwicklung.
| Level | Was die KI tut | Typische Voraussetzungen | Frühester Start, typisch |
|---|---|---|---|
| 1 – Individuelle Produktivität | Hilft Einzelnen beim Schreiben und Recherchieren | Freigegebenes KI-Werkzeug, Leitlinien, Sicherheitsregeln | ab sofort |
| 2 – Team-Assistenten | Nutzt das gemeinsame Wissen eines Teams | Wissensbasis mit Quellen, Markenstimme | ab sofort |
| 3 – Prozessautomatisierung | Übernimmt Prozessschritte, ein Mensch gibt frei | Belegter MVP, Pflichtfelder, Freigabeweg | ab Monat 3–6 |
| 4 – Agentische Workflows | Erledigt mehrere Schritte in festen Grenzen | Protokollierung, Eskalationsregeln | ab Monat 6–12 |
| 5 – Geschäftsmodell-Innovation | Wird Teil eines Kundenangebots | Belegte Wirkung der Vorstufen, Entscheidung der Leitung | ab Monat 12–18 |
Die ersten 90 Tage
Eine KI-Strategie und ein erster MVP sind kein Widerspruch: Die Strategie setzt Rahmen und Leitplanken, Wirkung entsteht über kontrollierte MVPs. Die erste Leitungsentscheidung kann deshalb sein, einen MVP freizugeben, statt ein langes Strategiepapier abzuwarten. Wie wir Unternehmen dabei begleiten: KI-Strategie und KI-Beratung für den Mittelstand. Für die ersten 90 Tage eignen sich drei Abschnitte zu je etwa 30 Tagen – ein Rhythmus, kein Versprechen:
- Tage 1–30: Setup. KI-Werkzeug mit Unternehmenslizenz freigeben, Leitlinien und Rollen festlegen, den Betriebsrat einbinden, Anwendungsfälle sammeln und die Kennzahlen bestimmen, an denen Sie später messen.
- Tage 31–60: Quick-Win-Piloten. Die bestbewerteten Anwendungsfälle laufen als MVP-Sprints, jeder mit Freigabe durch Menschen und einer Entscheidung am Ende.
- Tage 61–90: Wirkung und Skalierung. Gemessen werden Geschwindigkeit, Qualität, Nutzungsrate und Rückmeldungen der Nutzenden. Am Ende stehen wenige Leitungsentscheidungen: Leitlinien verbindlich machen, Rollen besetzen, ausbauen, was belegt ist. Die KI bereitet vor, die Urteile treffen Menschen.
Häufige Fragen
Wie führe ich KI im Unternehmen ein?
In fünf Schritten: Anwendungsfälle sammeln; sie bewerten; Daten, Rechte und Betrieb klären; den besten Fall als kontrollierten MVP testen; ausbauen, wo der Nutzen belegt ist. Ein erster MVP-Sprint dauert typischerweise zwei bis vier Wochen.
Wie finde ich die richtigen KI-Anwendungsfälle?
Fragen Sie, wo Arbeit manuell, langsam oder wissensabhängig ist und wo Wert verloren geht. Beschreiben Sie jeden Kandidaten in einem Steckbrief und bewerten Sie alle mit demselben Score. Gute erste Fälle kommen häufig vor, sind klar abgegrenzt und prüfbar, bevor ihr Ergebnis wirkt.
Welche KI eignet sich für mein Unternehmen?
Das hängt vom Anwendungsfall und von der Sensibilität Ihrer Daten ab. Prüfen Sie zuerst, was vorhandene Systeme und Lizenzen können. Der Grundsatz: Standardprodukte, wo möglich, eigene Logik, wo nötig. Achten Sie auf Unternehmenslizenzen ohne Training mit Ihren Daten, Hosting in der EU und ein Rollenmodell, das Ihre Zugriffsrechte spiegelt.
Wie starte ich mit KI im Unternehmen?
Mit einem klar abgegrenzten Anwendungsfall statt mit einer Plattform-Ausschreibung. Wählen Sie einen häufigen Vorgang mit viel Handarbeit, testen Sie ihn an echten Beispieldokumenten und entscheiden Sie nach der Abschlussdemo, ob es weitergeht. Parallel legt die Leitung fest, welche Werkzeuge erlaubt sind und welche Daten in kein KI-System dürfen, und bindet einen vorhandenen Betriebsrat früh ein.
Warum scheitern KI-Projekte in Unternehmen?
Selten an der Technik allein. Eine Interviewstudie von RAND nennt fünf Hauptursachen: ein missverstandenes Problem, fehlende Daten, Technik vor Zweck, fehlende Infrastruktur und Aufgaben, die für KI zu schwer sind. Nach unserer Erfahrung kommen offene Fragen zu Rechten und Betrieb hinzu: Dann entsteht eine überzeugende Demo, aber kein Betrieb.
Wozu braucht ein Unternehmen eine KI-Governance?
Damit KI kontrolliert statt verdeckt genutzt wird. Governance legt fest, welche Anwendungsfälle erlaubt, freigegeben oder untersagt sind, wer entscheidet, welche Daten in welches System dürfen und wie Fehler eskaliert werden. So schützt sie Kundendaten, Verträge und Marke, und aus guten Einzelversuchen wird ein Programm.
Was verlangt der EU AI Act von Unternehmen, die KI nur nutzen?
Wer ein KI-System beruflich in eigener Verantwortung nutzt, ist „Betreiber“. Betreiber müssen Maßnahmen ergreifen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals zu unterstützen (Art. 4, im Juli 2026 neu gefasst), und die Verbote nach Art. 5 beachten. Weitere Pflichten hängen vom Einsatz ab, etwa Transparenz bei Deepfakes (Art. 50). Wer Hochrisiko-Systeme wie KI zur Bewerberauswahl einsetzt, hat ab dem 2. Dezember 2027 Betreiberpflichten nach Art. 26. Keine Rechtsberatung.
Wie lange dauert eine KI-Einführung?
Es gibt keinen festen Zeitraum, aber typische Bandbreiten: ein erster MVP-Sprint von zwei bis vier Wochen und 90 Tage mit Setup, Piloten und Messung. Prozessautomatisierung und agentische Workflows folgen häufig über Monate, Veränderungen am Geschäftsmodell eher nach einem Jahr oder später.
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1689 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 2024 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz und zur Änderung der Verordnungen (EG) Nr. 300/2008, (EU) Nr. 167/2013, (EU) Nr. 168/2013, (EU) 2018/858, (EU) 2018/1139 und (EU) 2019/2144 sowie der Richtlinien 2014/90/EU, (EU) 2016/797 und (EU) 2020/1828 (Verordnung über künstliche Intelligenz). Amtsblatt der Europäischen Union, Reihe L, 12.7.2024., Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union (EUR-Lex) (2024). Amtlicher Text. Zitiert für die Begriffsbestimmung „Betreiber“ (Art. 3 Nr. 4), die KI-Kompetenz (Art. 4), die Verbote (Art. 5), die Pflichten der Betreiber von Hochrisiko-Systemen (Art. 26 mit Anhang III Nr. 4) und die Transparenzpflichten (Art. 50); keine Rechtsberatung.
- Verordnung (EU) 2026/1744 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juli 2026 zur Änderung der Verordnungen (EU) 2024/1689, (EU) 2018/1139 und (EU) 2023/1230 im Hinblick auf die Vereinfachung der Umsetzung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz (Digital-Omnibus-Verordnung zur KI). Amtsblatt der Europäischen Union, Reihe L, 24.7.2026., Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union (EUR-Lex) (2026). Amtlicher Text. Zitiert für die Neufassung von Art. 4 der KI-Verordnung (Art. 1 Nr. 5: Maßnahmen zur Unterstützung der KI-Kompetenz, kein garantiertes Niveau), für das Inkrafttreten am dritten Tag nach der Veröffentlichung und für den neuen Termin der Hochrisiko-Pflichten bei Anhang-III-Systemen (Erwägungsgrund 40); keine Rechtsberatung.
- Europäische Kommission. (2026). Timeline for the implementation of the EU AI Act. AI Act Service Desk. Abgerufen am 13. Oktober 2026., Europäische Kommission (2026). Offizielle Übersicht der Kommission, zitiert für die Geltungstermine: Inkrafttreten am 1. August 2024, KI-Kompetenz und Verbote ab dem 2. Februar 2025, Hochrisiko-Systeme nach Anhang III ab dem 2. Dezember 2027 (nach der Digital-Omnibus-Verordnung). Keine Rechtsquelle.
- Verordnung (EU) 2016/679 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. April 2016 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten, zum freien Datenverkehr und zur Aufhebung der Richtlinie 95/46/EG (Datenschutz-Grundverordnung). Amtsblatt der Europäischen Union, L 119 vom 4.5.2016, S. 1., Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union (EUR-Lex) (2016). Amtlicher Text; nur für die Pflicht zu einem Vertrag mit Auftragsverarbeitern (Art. 28 Abs. 3) zitiert. Keine Rechtsberatung.
- Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 25. September 2001 (BGBl. I S. 2518)., Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz (gesetze-im-internet.de) (2001). Geltende Fassung. Nur zitiert für die Unterrichtung des Betriebsrats über die Planung von Arbeitsverfahren und Arbeitsabläufen einschließlich des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (§ 90 Abs. 1 Nr. 3, Fassung des Betriebsrätemodernisierungsgesetzes vom 14. Juni 2021) und für das Mitbestimmungsrecht bei technischen Einrichtungen, die Verhalten oder Leistung der Arbeitnehmer überwachen sollen (§ 87 Abs. 1 Nr. 6). Keine Rechtsberatung.
- Tabassi, E. (2023). Artificial intelligence risk management framework (AI RMF 1.0) (NIST AI 100-1). National Institute of Standards and Technology., National Institute of Standards and Technology (U.S. Department of Commerce) (2023). Freiwilliger Ordnungsrahmen, keine Rechtsgrundlage in der EU und nach eigener Aussage keine Checkliste (Abschnitt 5). Nur als Quelle der vier Kernfunktionen Govern, Map, Measure und Manage zitiert.
- Ryseff, J., De Bruhl, B. F., & Newberry, S. J. (2024). The root causes of failure for artificial intelligence projects and how they can succeed: Avoiding the anti-patterns of AI (Report No. RR-A2680-1). RAND Corporation., RAND Corporation (2024). Interviewstudie mit 65 erfahrenen Data Scientists und Engineers; hier nur qualitativ für die fünf genannten Hauptursachen zitiert. Die Schätzung zur Scheiterquote von KI-Projekten, die der Bericht aus Sekundärquellen übernimmt, wird bewusst nicht verwendet.
- Brynjolfsson, E., Li, D., & Raymond, L. (2025). Generative AI at work. The Quarterly Journal of Economics, 140(2), 889–942., Oxford University Press (2025). Feldstudie mit 5.172 Beschäftigten im Kundenservice; zitiert für den durchschnittlichen Effekt von 15 % mehr gelösten Anfragen pro Stunde und dessen ungleiche Verteilung nach Erfahrung. Nicht auf andere Tätigkeiten oder Branchen übertragen.
- Dell’Acqua, F., McFowland III, E., Mollick, E., Lifshitz, H., Kellogg, K. C., Rajendran, S., Krayer, L., Candelon, F., & Lakhani, K. R. (2026). Navigating the jagged technological frontier: Field experimental evidence of the effects of artificial intelligence on knowledge worker productivity and quality. Organization Science, 37(2), 403–423., INFORMS (2026). Vorregistriertes Feldexperiment mit 758 Beschäftigten einer Unternehmensberatung; hier nur qualitativ zitiert (bessere Ergebnisse innerhalb, seltener richtige Lösungen außerhalb der Fähigkeitsgrenze der KI). Effektgrößen bewusst nicht übernommen.