Kurz gesagt
Ein Chief of Staff ist die rechte Hand der Unternehmensspitze, eine Stabsrolle ohne Linienverantwortung. Er ordnet Prioritäten, bereitet Entscheidungen vor, treibt strategische Vorhaben bereichsübergreifend voran und hält das Top-Team im Takt. Die Rolle ist weder Assistenz noch Stellvertretung. Sie lohnt sich, wenn die Agenda der Spitze schneller wächst als ihre Zeit, etwa nach einem CEO-Wechsel oder in einer Transformation. Gesucht sind strukturierte Generalisten mit Urteilskraft und wenig Ego, häufig aus Beratung oder Strategie, meist für zwei bis drei Jahre.
Das Wichtigste
- Ein Chief of Staff vervielfacht die Wirkung der Spitze: Kern der Rolle sind Sparring, Priorisierung, die Steuerung strategischer Vorhaben und die Abstimmung im Top-Team.
- Die Rolle ist weder Assistenz noch Stellvertretung: Unter 2.500 ausgewerteten US-Profilen kamen nur 4 % aus einer Executive-Assistant-Position, und formelle Personalführung spielte im Alltag kaum eine Rolle.
- Klären Sie vor der Suche, welches Problem die Rolle lösen soll, und wählen Sie danach den Archetyp: Sparringspartner, Taktgeber oder Umsetzer.
- Die Rolle ist meist auf Zeit angelegt, etwa zwei bis drei Jahre; planen Sie den Anschlussschritt von Anfang an mit.
- Belastbare öffentliche Gehaltszahlen für Deutschland haben wir nicht gefunden; die Höhe hängt vor allem an Unternehmensgröße, Einstufung, Erfahrung und Zuschnitt der Rolle.
- Prüfen Sie Urteilskraft und Einfluss ohne Weisungsbefugnis im strukturierten Interview und an einer echten Aufgabe aus Ihrem Unternehmen, nicht am Logo im Lebenslauf.
Chief of Staff: Bedeutung und Abgrenzung der Rolle
Wer einen Chief of Staff einstellen will, entscheidet zuerst über einen Auftrag, nicht über einen Titel. Der Begriff deckt sehr unterschiedliche Rollen ab, von der erweiterten Assistenz bis zur Person, die im Auftrag der Spitze die wichtigsten Vorhaben steuert. Dieser Artikel beschreibt die anspruchsvolle Form, den Chief of Staff to the CEO.
Definition
Chief of Staff (CoS) Eine Stabsrolle, die direkt an die Unternehmensspitze berichtet, meist an den oder die CEO, und deren Wirkung vervielfacht. Sie ordnet Prioritäten, bereitet Entscheidungen vor, steuert ausgewählte bereichsübergreifende Vorhaben und sorgt dafür, dass Beschlüsse des Top-Teams umgesetzt werden. Ein Chief of Staff führt in der Regel keinen eigenen Fachbereich und arbeitet mit geliehener Autorität.
Der Titel stammt aus Militär und Regierung; in Unternehmen ist die Rolle kaum erforscht. Eine Studie von 2024 nennt sie eine wachsende, quasi-exekutive Rolle, die die Forschung zu strategischer Führung fast vollständig übersehen habe (Zhou et al., 2024). Verbreitet ist sie trotzdem: In einer Analyse von 563 börsennotierten Unternehmen aus 19 europäischen Ländern hatten etwa 30 % mindestens einen Chief of Staff (Gigante, Rella und Cerri, 2026).
| Rolle | Kernauftrag | Befugnis | Typischer Zeithorizont |
|---|---|---|---|
| Chief of Staff | Prioritäten, Entscheidungsvorlagen, Steuerung strategischer Vorhaben | Keine eigene Linie; Autorität aus Mandat und Nähe zur Spitze | Meist zwei bis drei Jahre, danach eine Führungsrolle |
| Referent/in der Geschäftsführung, Vorstandsreferent/in | Analysen, Vorlagen, Gremienarbeit, Nachhalten von Beschlüssen | Stabsstelle ohne Weisungsbefugnis | Häufig Entwicklungsstation für Nachwuchskräfte |
| Executive Assistant, Assistenz der Geschäftsführung | Kalender, Korrespondenz, Organisation, Reisen | Organisatorisch, nicht inhaltlich | Oft langfristig angelegt |
| COO | Das operative Geschäft verantworten | Volle Linienverantwortung | Dauerhafte Position in Vorstand oder Geschäftsführung |
Im deutschen Markt kommen dem Chief of Staff zwei etablierte Rollen am nächsten: Referentin oder Referent der Geschäftsführung und, im Konzern, Vorstandsreferent. Beides sind Stabsstellen: einer Leitungsstelle zugeordnet, aber ohne direkte Entscheidungs- und Weisungsbefugnis gegenüber anderen Abteilungen (Duden Wirtschaft, 2016). Der Unterschied zum Chief of Staff liegt weniger im Titel als im Mandat. Dazu gehören ein Sitz in der Runde der Geschäftsleitung, Zugang zu allen Themen der Spitze und der Auftrag, Vorhaben bereichsübergreifend voranzutreiben.
Aufgaben: was ein Chief of Staff im Alltag leistet
Eine explorative Studie stützt sich auf 2.500 US-amerikanische LinkedIn-Profile, eine Befragung von 108 Chiefs of Staff und 13 Interviews. Fünf Aufgaben wurden nach Häufigkeit und Wichtigkeit am höchsten bewertet (Zhou et al., 2024). Chiefs of Staff fördern eine positive Kultur und sind Sparringspartner für die Ideen der Unternehmensspitze. Sie halten strategische Vorhaben nach, arbeiten mit Schlüsselpersonen an Strategie und Umsetzung und setzen deren wichtigste Initiativen um. Im Alltag heißt das:
- Sparring und Entscheidungsvorlagen. Optionen strukturieren, Annahmen prüfen, Gegenpositionen einholen, bevor die Spitze entscheidet.
- Agenda und Takt des Top-Teams. Sitzungen der Geschäftsleitung und des Aufsichtsgremiums vorbereiten, Beschlüsse festhalten und nachhalten.
- Steuerung strategischer Vorhaben. Zwei oder drei bereichsübergreifende Initiativen führen oder ihr Portfolio steuern, etwa nach einer Strategieentwicklung.
- Übersetzung in die Organisation. Entscheidungen der Spitze in Pläne, Kommunikation und nächste Schritte der Bereiche übertragen.
- Informationsfluss. Signale aus der Organisation filtern, verdichten und ungeschönt an die Spitze geben.
Ebenso aufschlussreich ist, was die Rolle selten umfasst. Formelle Personalführung kommt laut den Autoren selten vor, Kündigungen und Auftritte nach außen gehörten zu den am niedrigsten bewerteten Aufgaben, und nur 4 % der US-Profile kamen aus einer Executive-Assistant-Position (in der Befragung: 19,6 %). Die Autoren folgern, dass die Rolle mehr Überblick verlangt als eine Assistenz und mehr Detailarbeit als etwa ein COO. Dan Ciampa nennt in der Harvard Business Review fünf Funktionen: Fluglotse für die Spitze, Integrator, Kommunikator, ehrlicher Makler mit Mut zur Wahrheit und Vertrauter (zitiert nach Zhou et al., 2024).
Wann ein Unternehmen einen Chief of Staff braucht
Eine feste Größenschwelle gibt es nicht. In den US-LinkedIn-Daten arbeiteten 18,1 % der Chiefs of Staff in Organisationen mit weniger als 25 Beschäftigten, 16,7 % in solchen mit 5.000 und mehr (Zhou et al., 2024). Entscheidend ist der Engpass: Die Agenda der Spitze wächst schneller als ihre Zeit. In der Befragung derselben Studie meldeten 42,6 % einen kürzlichen CEO-Wechsel; das zeigt ein Muster, keine Ursache. Typische Anlässe aus unserer Sicht:
- CEO-Wechsel, neue Agenda. Die ersten Monate prägen Strategie, Top-Team und Kultur, und jemand muss die Vorhaben zusammenhalten.
- Transformation oder Integration. Mehrere bereichsübergreifende Programme laufen gleichzeitig und müssen im Auftrag der Spitze verzahnt werden.
- Wertsteigerungsplan nach einer Übernahme. In private-equity-geführten Unternehmen muss die Geschäftsführung einen Plan mit festen Meilensteinen umsetzen und zugleich das Tagesgeschäft führen.
- Wachsendes Top-Team. Mehr direkte Berichtslinien, mehr Abstimmung, weniger Zeit für Prioritäten.
Archetypen: welcher Chief of Staff zu welchem Auftrag passt
Dan Ciampa unterscheidet eine administrative, eine projektorientierte und eine hochrangig angesiedelte Form; nur Letztere berichtet in der Regel direkt an den oder die CEO oder sitzt im Führungsteam. Vor jeder Suche, rät er, sollte klar sein, welches konkrete Problem die Position lösen soll (Dunham, 2026). Für die hochrangig angesiedelte Form arbeiten wir mit drei Archetypen. Einer sollte klar überwiegen, sonst wird die Stelle zum Auffangbecken für alles, was niemand sonst übernimmt.
| Archetyp | Schwerpunkt | Passt, wenn … | Typischer Hintergrund |
|---|---|---|---|
| Sparringspartner | Entscheidungsvorlagen, Strategie, Gegenpositionen | eine neue Unternehmensspitze ihre Agenda schärft | Strategieberatung, Konzernstrategie |
| Taktgeber | Führungsrhythmus, Gremien, Zielsystem, Nachhalten | das Top-Team wächst und Abstimmung Zeit frisst | Beratung, Unternehmenssteuerung, Büro der Geschäftsführung |
| Umsetzer | Zwei oder drei bereichsübergreifende Programme | eine Transformation, eine Integration oder ein Wertsteigerungsplan ansteht | Beratung, Transformation, Wertsteigerung in Private-Equity-Portfolios |
Profil und Hintergrund: wen Sie suchen
Chiefs of Staff sind erfahrene Generalisten. In der europäischen Analyse hatte mehr als die Hälfte einen wirtschafts- oder finanzwissenschaftlichen Hintergrund, und etwa 28 % kamen aus der Beratung (Gigante, Rella und Cerri, 2026). Die Berufserfahrung lag im Schnitt bei über 15 Jahren. Als stärkste Erfolgsmerkmale nannten Befragte und Interviewte bei Zhou et al. hohe Gewissenhaftigkeit und die Fähigkeit, zwischen Gesamtbild und Detail zu wechseln.
- Urteilskraft. Erkennt, welche drei Themen die Unternehmensspitze diese Woche wirklich braucht, und sagt auch, welche nicht.
- Struktur und Genauigkeit. Denkt in Optionen und Konsequenzen und hält trotzdem jeden offenen Punkt nach.
- Einfluss ohne Weisungsbefugnis. Gewinnt formal höhergestellte Bereichsleitungen durch Vorbereitung und Verlässlichkeit; mehr dazu in Laterale Führung.
- Diskretion und wenig Ego. Arbeitet im Hintergrund und behält Vertrauliches für sich.
- Mut zum Widerspruch. Bringt unbequeme Fakten auf den Tisch, statt sie herauszufiltern.
Ehemalige Beraterinnen und Berater bringen vieles davon mit: Struktur, Tempo und Erfahrung mit Vorständen und Gremien. Was die Beratung selten trainiert, ist Führung ohne den Rückhalt eines Beratungsauftrags und langes Dranbleiben an der Umsetzung. Prüfen Sie beides gezielt. Wann sich der Wechsel für beide Seiten lohnt, beschreibt unser Artikel über die Einstellung ehemaliger Top-Tier-Berater.
Gehalt: was die Vergütung eines Chief of Staff bestimmt
Belastbare, öffentlich zitierbare Gehaltsdaten für Deutschland haben wir nicht gefunden: Frei verfügbare Angaben legen ihre Datengrundlage nicht offen und weichen stark voneinander ab. Wir nennen deshalb keine Zahlen. Eine Befragung von 292 Mitgliedern der Chief of Staff Association zeigt, was mit höheren Gehältern einhergeht: die Größe der Organisation sowie Ausbildung und Erfahrung. Die Berichtslinie an den oder die CEO gehört nicht dazu: Am meisten verdienten Chiefs of Staff eines COO oder anderen C-Level-Mitglieds, laut Verband vermutlich, weil nur große Organisationen solche Rollen schaffen (Chief of Staff Association, 2023). In der Verhandlung zählen aus unserer Sicht vor allem:
- Einstufung und Zuschnitt. Auf welcher Ebene ist die Rolle angesiedelt, sitzt sie in der Geschäftsleitungsrunde, und wie groß ist der Bereich, dem sie zuarbeitet?
- Unternehmensgröße und Komplexität. Konzern, Mittelstand oder Wachstumsunternehmen, ein Land oder viele.
- Archetyp und Mandat. Ein Umsetzer, der einen Wertsteigerungsplan verantwortet, wird anders bewertet als ein Taktgeber.
- Bisheriges Paket. Wer aus einer Beratung oder einer Führungsrolle wechselt, vergleicht mit dem bisherigen Gesamtpaket.
- Variabler Teil und Anschlussperspektive. Bonus, bei Private Equity gegebenenfalls eine Beteiligung, und die nächste Rolle gehören in dasselbe Gespräch.
Laufzeit und nächster Schritt: eine Rolle auf Zeit
Für viele ist die Rolle eine Station, kein Ziel. In der europäischen Analyse blieben Chiefs of Staff etwa zwei bis drei Jahre in der Position (Gigante, Rella und Cerri, 2026). Laut Chief of Staff Association galt sie lange als Übergangsrolle von höchstens einigen Jahren, auf die eine Führungsaufgabe folgt, am häufigsten in Operations oder Strategie. In ihrer Befragung wollten 35 % dauerhaft Chief of Staff bleiben, 17 % ausdrücklich nicht. Besprechen Sie den Anschlussschritt deshalb schon in der Auswahl.
Einen Chief of Staff suchen und auswählen
Weil die Rolle vom Vertrauen der Unternehmensspitze lebt, beginnen viele Besetzungen intern. Verbreitet sind beide Wege: In der Befragung der Association waren 59 % intern befördert worden, in den US-LinkedIn-Daten von Zhou et al. 38,1 %. Externe Suchen laufen meist diskret, weil die Rolle Einblick in alle Themen der Spitze bekommt. Wir empfehlen diese Reihenfolge:
- Den Auftrag schriftlich fassen. Welches Problem löst die Rolle, welcher Archetyp überwiegt, woran messen Sie nach zwölf Monaten den Erfolg?
- Das Mandat vorab klären. Die Unternehmensspitze erklärt dem Top-Team, wofür der Chief of Staff in ihrem Namen spricht. Laut Zhou et al. hängt der Erfolg womöglich davon ab, dass die Spitze diese Autorität ausdrücklich überträgt.
- Den Markt kartieren. Nicht nur aktiv Suchende, sondern alle, die das Profil erfüllen, intern wie extern; wie das geht, zeigt Talent Mapping.
- Strukturiert interviewen. Dieselben Fragen und Bewertungsanker für alle. Nach einer Neuauswertung von Meta-Analysen sagen strukturierte Interviews die spätere Leistung deutlich besser voraus als unstrukturierte (mittlere Validität 0,42 gegenüber 0,19), die Berufserfahrung in Jahren kaum (0,07) (Sackett et al., 2022).
- Eine echte Aufgabe stellen. Etwa eine Entscheidungsvorlage zu einem realen, anonymisierten Thema, besprochen mit der Unternehmensspitze.
- Referenzen zum Einfluss einholen. Fragen Sie, mit Zustimmung der Kandidatin oder des Kandidaten, frühere Vorgesetzte und Kollegen, wie die Person ohne Weisungsbefugnis Ergebnisse erreicht hat.
- Der oder die CEO entscheidet. Nach mindestens zwei ausführlichen Gesprächen, denn ohne Vertrauen funktioniert die Rolle nicht.
Häufige Fragen
Was ist ein Chief of Staff?
Ein Chief of Staff ist die rechte Hand der Unternehmensspitze, meist des oder der CEO. Die Rolle ordnet Prioritäten, bereitet Entscheidungen vor, steuert bereichsübergreifende Vorhaben und hält Beschlüsse nach, ohne einen eigenen Fachbereich zu führen. Im Deutschen kommen ihr Referentinnen und Referenten der Geschäftsführung oder des Vorstands am nächsten, meist mit engerem Auftrag.
Welche Aufgaben hat ein Chief of Staff?
Typisch sind Sparring für die Unternehmensspitze, Entscheidungsvorlagen, die Agenda der Geschäftsleitung, das Nachhalten strategischer Vorhaben und die Übersetzung von Beschlüssen in die Organisation. In einer Befragung von 108 Chiefs of Staff gehörten Kündigungen und Auftritte nach außen zu den seltensten Aufgaben; formelle Personalführung spielte kaum eine Rolle (Zhou et al., 2024).
Was verdient ein Chief of Staff in Deutschland?
Belastbare, öffentlich zitierbare Zahlen für Deutschland haben wir nicht gefunden; die frei verfügbaren Angaben weichen stark voneinander ab. Die Höhe hängt vor allem an Unternehmensgröße, Einstufung, Erfahrung, Zuschnitt der Rolle und dem bisherigen Gesamtpaket der Person. Vereinbaren Sie Bonus und Anschlussperspektive im selben Gespräch.
Was ist der Unterschied zwischen Chief of Staff und Vorstandsreferent?
Beide sind Stabsrollen ohne eigene Linie. Ein Vorstandsreferent arbeitet meist zu: Analysen, Vorlagen, Gremienarbeit. Ein Chief of Staff hat in der Regel ein weiteres Mandat, sitzt in den Runden der Geschäftsleitung und treibt Vorhaben über Bereichsgrenzen hinweg voran. In der Praxis verschwimmen die Grenzen; entscheidend ist, was im Mandat steht, nicht der Titel.
Ist ein Chief of Staff eine bessere Assistenz?
Nein. Unter 2.500 ausgewerteten US-Profilen kamen nur 4 % der Chiefs of Staff aus einer Executive-Assistant-Position, in der Befragung derselben Studie 19,6 % (Zhou et al., 2024). Die Assistenz organisiert Zeit, Termine und Korrespondenz der Spitze; der Chief of Staff arbeitet an Inhalten, Prioritäten und Umsetzung. Viele Unternehmen brauchen beide Rollen nebeneinander.
Ab welcher Unternehmensgröße lohnt sich ein Chief of Staff?
Eine feste Schwelle gibt es nicht; die Rolle findet sich in Organisationen mit weniger als 25 Beschäftigten ebenso wie in Konzernen. Sie lohnt sich, wenn die Agenda der Spitze schneller wächst als ihre Zeit: nach einem CEO-Wechsel, in einer Transformation oder mit einem Wertsteigerungsplan nach einer Übernahme.
Wie lange bleibt man Chief of Staff, und was kommt danach?
Meist zwei bis drei Jahre; so lag die Verweildauer in einer Analyse europäischer börsennotierter Unternehmen (Gigante, Rella und Cerri, 2026). Lange galt die Rolle als Übergang in eine Führungsaufgabe, meist in Operations oder Strategie; in einer Mitgliederbefragung wollten aber 35 % dauerhaft Chief of Staff bleiben (Chief of Staff Association, 2023). Vereinbaren Sie den Anschlussschritt früh.
Gehört ein Chief of Staff zur Geschäftsleitung?
Formal meist nicht: Ein Chief of Staff führt keinen Fachbereich und gehört in der Regel weder dem Vorstand noch der Geschäftsführung an. In der Befragung von Zhou et al. ordneten dennoch 36,3 % ihre Position selbst der C-Ebene zu. Ob die Rolle in der Geschäftsleitungsrunde sitzt, sollte der oder die CEO ausdrücklich entscheiden und erklären.
Quellen
- Zhou, S., Hiller, N. J., Zaccaro, S. J., Campbell, L. N. P., McCauley, R., Parris, T., & Klimoski, R. J. (2024). The corporate chief of staff: Strategic leadership influence from outside the spotlight. Journal of Leadership & Organizational Studies, 31(3), 289–303., SAGE (2024). Peer-reviewte explorative Studie, im Volltext gelesen (Autorenfassung). Datenbasis: 2.500 LinkedIn-Profile von Chiefs of Staff mit Sitz in den USA (März bis Juni 2022), Befragung von 108 Chiefs of Staff aus einem Netzwerk (Juni bis Juli 2022, Region nicht angegeben), 13 Interviews; überwiegend Selbstauskünfte. Zitiert für die Aufgaben (Tabelle 1), den Anteil früherer Executive Assistants (4 % in den LinkedIn-Daten; in der Befragung nannten 19,6 % diese Vorposition), Unternehmensgrößen (18,1 % unter 25, 16,7 % ab 5.000 Beschäftigten), interne Besetzung (38,1 %), CEO-Wechsel (42,6 %), Selbsteinstufung als C-Ebene (36,3 %), die stärksten Erfolgsmerkmale sowie für Ciampas fünf Funktionen (dort zusammengefasst) und die Vermutung zur übertragenen Autorität. Keine Aussage zur Wirkung auf Unternehmensergebnisse.
- Gigante, G., Rella, S., & Cerri, A. (2026, 16. Juni). An invisible facilitator improving decisions: The Chief of Staff gains ground in Europe. SDA Bocconi Insight., SDA Bocconi School of Management (2026). Fachbeitrag über eine Studie von SDA Bocconi (I.C.E.): 753 Chiefs of Staff in 563 börsennotierten Unternehmen aus 19 europäischen Ländern. Zitiert für Verbreitung (etwa 30 %), Hintergrund (über die Hälfte Wirtschaft oder Finanzen, etwa 28 % Beratung), Berufserfahrung (über 15 Jahre) und Verweildauer (etwa zwei bis drei Jahre). Ein vollständiger Studienbericht ist nicht verlinkt; Deutschland wird nicht gesondert ausgewiesen. Laut Beitrag liegen über 50 % der erfassten Positionen in Finanzdienstleistungen, die nur 30 % der Unternehmen stellen; die Ergebnisse sind daher stark von dieser Branche geprägt.
- The Chief of Staff Association. (2023). State of the Industry Report 2023., The Chief of Staff Association (2023). Anonyme Online-Befragung von 292 Mitgliedern (12. Juli bis 12. August 2023), keine repräsentative Stichprobe. Zitiert für die Faktoren, die mit höheren Gehältern einhergehen (Organisationsgröße, Ausbildung und Erfahrung), für den Befund, dass nicht Chiefs of Staff von CEOs am meisten verdienen, sondern die eines COO oder eines anderen C-Level-Mitglieds, für 59 % intern Beförderte, für die lange verbreitete Sicht als Übergangsrolle mit Wechsel meist in Operations oder Strategie und für 35 % bzw. 17 % zur Frage nach einer dauerhaften Laufbahn als Chief of Staff (Unterseiten „Factors Affecting Chief of Staff Compensation“ und „Pathways into the Chief of Staff Role“). Gehaltswerte in US-Dollar bewusst nicht übernommen, weil sie nicht nach Ländern ausgewiesen sind.
- Sackett, P. R., Zhang, C., Berry, C. M., & Lievens, F. (2022). Revisiting meta-analytic estimates of validity in personnel selection: Addressing systematic overcorrection for restriction of range. Journal of Applied Psychology, 107(11), 2040–2068., American Psychological Association (2022). Peer-reviewte Neuauswertung von Meta-Analysen, im Volltext gelesen. Zitiert für die mittlere operative Validität strukturierter (0,42) und unstrukturierter Interviews (0,19) sowie der Berufserfahrung zum Zeitpunkt der Einstellung (0,07). Keine Daten speziell zu Chiefs of Staff oder Führungskräften.
- Ciampa, D. (2020). The case for a chief of staff. Harvard Business Review, Mai–Juni 2020., Harvard Business Publishing (2020). Volltext hinter einer Bezahlschranke; geprüft wurden Titel, Autor, Ausgabe und Untertitel („CEOs need more support than an executive assistant can provide“). Die fünf Funktionen sind nach der Zusammenfassung bei Zhou et al. (2024) zitiert.
- Dunham, J. (2026, 18. August). Why so many CEOs now want their own chief of staff. HRD Canada., HRD Canada (hcamag.com) (2026). Fachpresse-Beitrag mit Aussagen von Dan Ciampa. Zitiert nur für Ciampas Unterscheidung dreier Stufen der Rolle und seine Frage, welches konkrete Problem die Position lösen soll. Die dort genannten Zahlen zu Stellenanzeigen übernehmen wir nicht.
- Stab. In Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag (6. Aufl.). Bibliographisches Institut, 2016; Lizenzausgabe Bundeszentrale für politische Bildung., Bibliographisches Institut / Bundeszentrale für politische Bildung (2016). Lexikoneintrag. Zitiert für die Definition einer Stabsstelle: einer Leitungsstelle zugeordnet, ohne direkte Entscheidungs- und Weisungsbefugnis gegenüber anderen Abteilungen.