Kurz gesagt

Ein KI-Readiness-Check eines Portfoliounternehmens prüft sechs Dinge: wo KI in seinen Prozessen Wert schaffen könnte, ob die Daten vorhanden sind und genutzt werden dürfen, was Systeme und Lizenzen erlauben, ob Menschen und Führung Veränderung tragen können, ob Governance und rechtliche Pflichten geklärt sind und wie KI das Geschäftsmodell selbst verändert. Vor dem Deal zählen vor allem der letzte Punkt und die offensichtlichen Risiken. Nach dem Closing wird aus derselben Prüfung eine Wertkarte: Kandidaten, bewertet nach Wert und Machbarkeit, der erste Case dort, wo beides zusammenkommt.

Das Wichtigste

  • KI-Readiness ist kein Reifegrad, sondern die Antwort auf zwei Fragen: Wo kann KI in diesem Unternehmen Wert schaffen, und was steht im Weg?
  • Sechs Dimensionen decken das ab: Wert, Daten, Systeme, Menschen und Führung, Governance und Recht sowie die Betroffenheit des Geschäftsmodells durch KI.
  • Vor dem Deal zählen die Betroffenheit (bedroht oder stärkt KI das Geschäftsmodell?) und Risiken wie Datenrechte und ungeklärte Verträge mit KI-Anbietern.
  • Nach dem Closing ergibt dasselbe Raster eine Wertkarte: Kandidaten nach Wert und Machbarkeit bewertet, der erste Case dort, wo beides hoch ist.
  • KI-Projekte scheitern selten am Modell. RAND nennt ein falsch verstandenes Problem, fehlende Daten, Technik vor Zweck, fehlende Infrastruktur und Aufgaben, die für KI zu schwer sind.
  • Ein Raster für jedes Unternehmen im Portfolio, damit sich Cases vergleichen und wiederverwenden lassen.

Was KI-Readiness für ein Portfoliounternehmen bedeutet

Allgemeine KI-Reifegradmodelle geben einem Unternehmen eine Note von eins bis fünf und sagen wenig über Wert. Ein Investmentteam braucht etwas anderes: wo KI in genau diesem Unternehmen das EBITDA bewegen könnte, was es dafür braucht und was es aufhalten könnte. Die meisten Unternehmen stehen am Anfang: In einer BCG-Befragung von 1.250 leitenden Führungskräften melden 60 % bisher kaum Effekte durch KI, nur 5 % erzielen Wert in großem Maßstab (BCG 2025).

Definition

KI-Readiness eines Portfoliounternehmens beschreibt, wie schnell und sicher das Unternehmen KI in messbaren Wert übersetzen kann: welche Prozesse Wert bieten und ob Daten, Systeme, Menschen und Regeln erlauben, ihn zu heben.

Sechs Dimensionen eines KI-Readiness-Checks

Sechs Dimensionen der KI-Readiness, was zu prüfen ist und typische Warnsignale (Raster von LEADBeyond).
DimensionWas prüfenWarnsignal
WertProzesse mit viel manueller, langsamer oder wissensintensiver Arbeit; große Kostenblöcke; Praxis bei Preisen und AngebotenNiemand kann sagen, wo Zeit oder Marge verloren geht
DatenLiegen Aufträge, Angebote, Rechnungen, Tickets und Stammdaten nutzbar vor? Darf das Unternehmen sie verwenden?Wichtige Daten nur in persönlichen Postfächern oder Tabellen; unklare Rechte an Kundendaten
Systeme und LizenzenERP, CRM und Office-Umgebung; vorhandene KI-Funktionen und Lizenzen; SchnittstellenKernsystem am Ende seiner Laufzeit oder stark angepasst ohne Dokumentation
Menschen und FührungWer würde eine Änderung verantworten; ob die Teams sie wollen; Kapazität in IT und Betrieb; KI-Erfahrung der FührungskräfteAlles Wissen bei ein oder zwei Personen; keine Führungskraft will einen Case verantworten
Governance und RechtKI-Richtlinie, genutzte Werkzeuge, Datenschutz, Betriebsrat, Verträge mit KI-AnbieternUnkontrollierte Nutzung öffentlicher KI-Tools mit Kundendaten; keine Verträge zur Auftragsverarbeitung
BetroffenheitWie KI den Markt des Unternehmens verändert: Substitution, neue Wettbewerber, neue AngeboteDas Kernprodukt ist eine Aufgabe, die KI bereits gut und günstig erledigt

Wert: beim Geld anfangen, nicht bei der Technik

Die Prozesse erfassen, in denen Arbeit manuell, langsam oder wissensintensiv ist, und jedem grob Kosten zuordnen: Auftragsabwicklung, Kundenservice, Finanzen, Angebote. Dann fragen, wo Marge versickert: Rabatte außerhalb der Regeln, langsame Angebote, Fehler, die zu Gutschriften führen. Das sind die Kandidaten. Ein guter Kandidat kommt häufig vor, ist klar begrenzt und lässt sich von einem Menschen prüfen, bevor sein Ergebnis wirkt.

Daten und Systeme: was da ist und was erlaubt ist

Die meisten nützlichen KI-Cases in mittelständischen Unternehmen arbeiten mit Daten, die schon vorhanden sind: frühere Angebote, Aufträge, Rechnungen, Tickets, Richtlinien. Die Fragen sind, ob diese in einer Form vorliegen, die ein Werkzeug lesen kann, ob das Unternehmen sie nutzen darf und ob die Kernsysteme Ergebnisse zurücknehmen können. In unserer Arbeit bleiben ERP oder CRM führend; die KI macht die Vorarbeit drumherum.

Menschen und Führung: wer es verantwortet

Jeder Case braucht eine Führungskraft, die das Ergebnis verantwortet. Will niemand im Managementteam diese Rolle, bleibt der Case stecken, egal wie gut die Technik ist. Prüfen Sie auch, wo das Wissen sitzt: Ein Prozess, der im Kopf einer einzigen Person steckt, ist Risiko und Chance für ein Wissenswerkzeug zugleich.

Governance und Recht: die Fragen, die später alles bremsen

  • Rolle nach der KI-Verordnung: Wer KI in eigener Verantwortung nutzt, ist Betreiber; er muss Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz seines Personals ergreifen (Art. 4) und die verbotenen Praktiken beachten (Art. 5). Hochrisiko-Anwendungen wie KI in der Bewerberauswahl bringen ab dem 2. Dezember 2027 Betreiberpflichten nach Art. 26 (KI-Verordnung; Digital-Omnibus).
  • Datenschutz: Verträge zur Auftragsverarbeitung für jedes KI-Werkzeug, das personenbezogene Daten erhält (Art. 28 Abs. 3 DSGVO).
  • Betriebsrat: Unterrichtung über den geplanten KI-Einsatz (§ 90 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG) und Mitbestimmung, wo ein System Verhalten oder Leistung überwachen kann (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG) (BetrVG).
  • Verträge mit Anbietern: wem gehört, was gebaut wird, was mit den Daten geschieht und ob das Unternehmen wechseln kann.

Als Gliederung bietet das NIST AI Risk Management Framework vier Funktionen: Govern, Map, Measure und Manage. Es ist freiwillig und keine Checkliste, hilft aber, nichts zu vergessen. Nichts davon ist Rechtsberatung.

Betroffenheit: stärkt oder bedroht KI das Geschäftsmodell?

Diese Frage kann den Investment Case selbst verändern. Verkauft das Unternehmen etwas, das KI bereits günstig kann? Bekommen seine Kunden neue Möglichkeiten? Oder macht KI das eigene Angebot besser, schneller oder günstiger in der Lieferung? Ein stark betroffenes Unternehmen braucht eine strategische Antwort, nicht nur Effizienz-Cases. Wie man Marktoptionen wie eine Investitionsentscheidung prüft, beschreibt Go-to-Market-Strategie.

Vor dem Deal: Fragen für die Due Diligence

Vor dem Signing ist die Zeit knapp und der Zugang begrenzt. Konzentrieren Sie sich auf die Fragen, die Preis oder Plan verändern:

  1. Betroffenheit: Welche Umsatzteile hängen an Aufgaben, die KI bereits erledigen kann? Welche Kunden könnten es selbst?
  2. Was schon läuft: Welche KI-Werkzeuge sind im Einsatz, bei wem, mit welchen Daten? Gibt es eine KI-Richtlinie?
  3. Rechte und Verträge: Darf das Unternehmen seine Kunden- und Betriebsdaten für KI nutzen? Welche KI-Anbieter halten seine Daten, zu welchen Bedingungen?
  4. Schlüsselpersonen und Wissen: Ist kritisches Wissen dokumentiert oder an wenige Personen gebunden?
  5. Potenzial: Wo liegen die zwei oder drei größten Werthebel für KI, grob beziffert, als Grundlage für den Wertsteigerungsplan?

Antworten auf die letzte Frage sollten Spannen sein, keine Versprechen. Veröffentlichte Ergebnisse gibt es Hebel für Hebel und meist als Selbstauskunft; KI-Anwendungsfälle in Portfoliounternehmen zeigt, was belegt ist und mit welchen Einschränkungen.

Nach dem Closing: vom Check zur Wertkarte

Nach dem Closing werden dieselben sechs Dimensionen zur Grundlage des Plans. Jeder Kandidat wird auf zwei Achsen bewertet: Wert (Euro EBITDA oder Cash, als Spanne) und Machbarkeit (Daten, Systeme, Verantwortung, Regeln). Der erste Case liegt dort, wo beides hoch ist. Das ist die Logik eines Portfolio-KI-Scans: ein Raster für jedes Unternehmen, eine Wertkarte je Managementteam und eine Heatmap für das Investmentteam, damit sich Cases vergleichen lassen und ein Werkzeug, das in einem Unternehmen läuft, im nächsten wiederverwendet werden kann.

Zwei Forschungsbefunde prägen die Bewertung. Die Interviews von RAND mit 65 Data Scientists und Engineers nennen fünf Hauptursachen für das Scheitern von KI-Projekten: ein falsch verstandenes Problem, fehlende Daten, Technik vor Zweck, fehlende Infrastruktur und Aufgaben, die für KI zu schwer sind (RAND 2024). Und KI hilft deutlich bei Aufgaben innerhalb ihrer Leistungsgrenze, während Menschen bei einer Aufgabe jenseits davon 19 Prozentpunkte seltener richtig liegen (Dell’Acqua et al. 2026). Eine Machbarkeitsbewertung, die Problem, Daten und Passung der Aufgabe prüft, fängt das meiste davon ab, bevor Geld ausgegeben ist.

Portfolio-KI-Scans führen wir für Private-Equity-Fonds als Impact-Partner durch, geleitet von zwei ehemaligen Partnern bei McKinsey & Company und Roland Berger, und bauen danach die ersten Werkzeuge auf den eigenen Systemen des Unternehmens. Mehr auf pe.leadbeyond.de.

Häufige Fragen

Was ist ein KI-Readiness-Check?

Eine strukturierte Prüfung, wie schnell und sicher ein Unternehmen KI in messbaren Wert übersetzen kann. Für ein Portfoliounternehmen umfasst er sechs Dimensionen: Wert, Daten, Systeme und Lizenzen, Menschen und Führung, Governance und Recht sowie die Betroffenheit des Geschäftsmodells durch KI.

Was gehört in eine KI-Due-Diligence?

Vor allem die Betroffenheit des Geschäftsmodells durch KI, die bereits genutzten KI-Werkzeuge, die Rechte an Kunden- und Betriebsdaten, Verträge mit KI-Anbietern, die Abhängigkeit von Schlüsselpersonen und eine grobe Bezifferung der größten KI-Werthebel. Antworten zum Potenzial sollten Spannen sein, keine Versprechen.

Wie lange dauert ein KI-Readiness-Check eines Portfoliounternehmens?

Das hängt von Zugang und Größe ab. Vor dem Deal ist es meist ein fokussiertes Fragenset im Zeitplan der Due Diligence. Nach dem Closing passt er in die ersten 30 Tage des Wertsteigerungsplans, danach werden die besten Cases gerechnet.

Was sind Warnsignale bei der KI-Readiness?

Niemand kann sagen, wo Zeit oder Marge verloren geht; wichtige Daten nur in persönlichen Postfächern; unkontrollierte Nutzung öffentlicher KI-Tools mit Kundendaten; keine Verträge zur Auftragsverarbeitung; alles Wissen bei ein oder zwei Personen; ein Kernprodukt, das KI bereits günstig liefern kann.

Braucht ein Portfoliounternehmen zuerst eine KI-Strategie?

Es braucht Antworten, kein Dokument: wo KI Wert schafft, welche Daten und Werkzeuge erlaubt sind und wer jeden Case verantwortet. Ist das geklärt, lässt sich ein erster kontrollierter MVP typischerweise in zwei bis vier Wochen bauen.

Quellen

  1. BCG. (2025). The widening AI value gap. Are you generating value from AI?, Boston Consulting Group (2025). Befragung von 1.250 leitenden Führungskräften (September 2025): 5 % der Unternehmen erzielen mit KI Wert in großem Maßstab, 35 % sind in der Skalierung, 60 % melden bisher kaum Effekte.
  2. Ryseff, J., De Bruhl, B. F., & Newberry, S. J. (2024). The root causes of failure for artificial intelligence projects and how they can succeed (Report No. RR-A2680-1). RAND Corporation., RAND Corporation (2024). Interviewstudie mit 65 Data Scientists und Engineers; nur qualitativ zitiert für die fünf Hauptursachen des Scheiterns. Die aus Sekundärquellen übernommene Schätzung der Misserfolgsquote wird bewusst nicht verwendet.
  3. Dell’Acqua, F., McFowland III, E., Mollick, E., Lifshitz, H., Kellogg, K. C., Rajendran, S., Krayer, L., Candelon, F., & Lakhani, K. R. (2026). Navigating the jagged technological frontier: Field experimental evidence of the effects of artificial intelligence on knowledge worker productivity and quality. Organization Science, 37(2), 403–423., INFORMS (2026). Vorregistriertes Feldexperiment mit 758 Beraterinnen und Beratern: innerhalb der Leistungsgrenze der KI 12,2 % mehr Teilaufgaben, 25,1 % schneller, 32 % besser bewertete Qualität; bei einer Aufgabe jenseits davon 19 Prozentpunkte seltener richtig.
  4. Tabassi, E. (2023). Artificial intelligence risk management framework (AI RMF 1.0) (NIST AI 100-1). National Institute of Standards and Technology., National Institute of Standards and Technology (2023). Freiwilliges Rahmenwerk, in der EU keine Rechtsgrundlage; zitiert nur für die vier Funktionen Govern, Map, Measure, Manage.
  5. Regulation (EU) 2024/1689 of the European Parliament and of the Council of 13 June 2024 laying down harmonised rules on artificial intelligence (Artificial Intelligence Act). Official Journal of the European Union, L series, 12 July 2024., Publications Office of the European Union (EUR-Lex) (2024). Amtlicher Text. Zitiert für die Rolle „Betreiber“ (Art. 3 Nr. 4), KI-Kompetenz (Art. 4), verbotene Praktiken (Art. 5) und die Pflichten der Betreiber von Hochrisiko-Systemen (Art. 26 mit Anhang III). Keine Rechtsberatung.
  6. Regulation (EU) 2026/1744 of the European Parliament and of the Council of 8 July 2026 amending Regulation (EU) 2024/1689 and others as regards the simplification of the implementation of harmonised rules on artificial intelligence (Digital Omnibus on AI). Official Journal of the European Union, L series, 24 July 2026., Publications Office of the European Union (EUR-Lex) (2026). Amtlicher Text. Zitiert für die Neufassung von Art. 4 (Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz) und das neue Datum der Hochrisiko-Pflichten für Anhang-III-Systeme (2. Dezember 2027). Keine Rechtsberatung.
  7. Regulation (EU) 2016/679 (General Data Protection Regulation). Official Journal of the European Union, L 119, 4 May 2016, p. 1., Publications Office of the European Union (EUR-Lex) (2016). Amtlicher Text; zitiert nur für den Vertrag mit Auftragsverarbeitern (Art. 28 Abs. 3). Keine Rechtsberatung.
  8. Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 25. September 2001 (BGBl. I S. 2518), Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz (gesetze-im-internet.de) (2001). Zitiert für die Unterrichtung des Betriebsrats über den geplanten Einsatz von KI (§ 90 Abs. 1 Nr. 3) und die Mitbestimmung bei technischen Einrichtungen, die Verhalten oder Leistung überwachen können (§ 87 Abs. 1 Nr. 6). Keine Rechtsberatung.

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